Sitten und Bräuche

An der Decke des Nomadenhauses gibt es „eine Tür zum Himmel“ oder „Tündük“. Dieser Kreis symbolisiert die Sonne, die von mehreren Holz ästen oder „uuktar“ verbunden wird, und so die Decke der Jurta entsteht.

„Jurta“ oder auch „Bozüi“ liegt dem kirgisischen Volk nah am Herzen. Bis heutzutage werden die Jurtas auf den Bergweiden von Hirten aufgebaut. In den Dörfern und Städten baut man „Bozüi“ zu verschiedenen Zwecken des Feierns. Im Grunde ist die Jurta genauso geblieben wie vor tausend Jahren, man kann sie innerhalb einer Stunde auf und auseinanderbauen.

Das Skelett der Jurta aus Pappelholz wird mithilfe vom Lederstrick verbunden, darauf kommt ein Vorleger geflochten aus dünnem Schilfrohr oder „Chiy“. Von außen wird die Jurta mit Filzüberzug aufgedeckt. Der innere Raum wird wie folgend aufgeteilt: links befindet sich das Zeug des Mannes, unter anderem das Gewehr für die Jagt und die Ausrüstung des Pferdes; die rechte Seite gehört der Frau, dort wird auch gekocht. An der Wand werden die Matratzen, Decken und Kissen geordnet, je höher befindet sich die Kissen, desto wohlhabender ist die Familie. „Kiyiz, Ala-kiyiz und Schyrdak“ (Teppiche aus der Wolle) bedecken den Boden der Jurta.

Die Gastfreundschaft ist  ein wichtiger Teil der kirgisischen Nomaden Kultur. Es heißt bei uns „Gott sendet den Gast“. Man empfängt einen Gast mit Freude und bittet ihn gleich zum Tisch, der mit allem aufgedeckt wird, was man zu Hause hat. Es kommt ein heißer Tee mit hausgemachten „Boorsok“ – Teigplätzchen und Sahne, verschiedenen Sorten von Marmelade. Als Hauptgericht werden „Lagman“ – gekochtes Lammfleisch mit Obst und Nudeln oder/und das beliebteste Gericht „Besch Barmak“ („Fünf Finger“) serviert.

Die Ausstattung einer Jurta besteht aus den Sachen, die aus den Naturprodukten wie Holz , Wolle und Leder  gemeistert werden. Stoff aus Filz in verschiedenen Farben und Leder befestigen die Struktur einer Jurta und machen das Innere des Heimes schöner. Bunte „Schyrdaks“(Filzteppiche) auf dem Boden und an den Wänden einer Jurta halten innen warm und verleihen der Jurta eine künstlerische Note.

Die traditionellen aus Filz handgemachten „Schyrdaks“ werden in Zentralasien seit 2000 Jahren angefertigt. Die unterschiedlichen Motive auf den Teppichen tragen symbolische Bedeutung. Auch heutzutage sieht man in jedem Haus „Ala-Kiyiz“ (Teppich aus gepresster Wolle), „Tusch-Kiyiz“ (ein für die Hochzeit der Tochter angefertigter Teppich) und ähnliches. Die kirgisischen Handwerker haben den traditionellen Gewerbearten das neue Leben gegeben, indem sie in ihren Arbeiten die Tradition und das Moderne vereinigen.

 

Noch eine traditionelle zentralasiatische Unentbehrlichkeit in Kirgisistan ist ein Bazar: schön in Haufen nebeneinander liegen Honigmelonen, Wassermelonen, Obst, Gemüse, Süßigkeiten und alles Mögliche. Man findet hier „Ak-Kalpak“ (kirgisische Filzmütze für Männer), „Chapan“ (traditioneller bestickter Mantel) oder andere Sachen des Alltags. Die Hirten bieten hier zum Kauf einjährige Lämmer und junge Hengste. Alles, was man kaufen kann, ist auf dem Bazar zu finden.